Auch Frösche, Kröten und Molche schützen?

(slk) Bis sie das erste Mal in ihrem Leben Eier ablegen können, benötigen weibliche Amphibien 4-5 Jahre. Ihr Ziel dafür ist das Gewässer, aus dem sie selbst nach ihrer Zeit als Kaulquappe geklettert und anschließend auf Wanderschaft gegangen sind. Werden sie von einem Auto auf dem Weg zu ihrem Laichplatz überfahren, sind bis zu 50.000 Nachkommen tot. Gudio Koslowski, seit vielen Jahren engagiert im Amphibienschutz, konnte diese Situation nicht akzeptieren. Der Tierarzt ist seit rund 20 Jahren aktiv und gab bei den Tettnanger Grünen im Oktober 2019 einen Einblick in die aufwändige und zum großen Teil ehrenamtliche Arbeit im Amphibienschutz.
Zäune und spätere Kontrollen
Tettnanger bekommen die einsetzende Frosch- und Krötenwanderung vor allem durch die Schutzzäune und Kontrollen von Menschen mit orangenen Warn-Westen und Eimern zwischen Februar und Mitte April mit. So werden bei einer Zaunlänge von 150 Metern am Schleinsee beispielsweise mehrere 1000 Erdkröten morgens und abends über die Straße getragen. Doch mit dem Auf- und Abbau von Schutzzäunen und dem Transport der Tiere ist es längst nicht getan. Anschließend muss auch im Wald oder am Weiher der Laich und seine Situation kontrolliert werden. Mitglieder vom BUND, dem NABU, dem Amphibienschutzverein Tettnang und den Reptilienfreunden Oberschwaben versuchen mit Guido Kosloswski für den Erhalt verschiedenster Arten zu sorgen. Unterstützt wird er dabei immer wieder von Schulen (Grundschulen Kau und Obereisenbach und Gymnasium Tettnang) und über 100 freiwilligen Helfern.
Gefahren durch Forst- und Landwirtschaft
Amphibien wechseln zwischen Winterquartier, Laichgewässer und Sommerlebensraum. Damit nutzen sie Bereiche, in denen Forst- und Landwirte arbeiten. Diese haben ihre eigenen Abläufe und betriebswirtschaftliche Rahmenbedingungen. Doch das Miteinander von Amphibienschutz und Forst- und Landwirtschaft muss dringend organisiert werden.
Nicht nur Holzeinschlag, Rückegassen und schwere Maschinen wirken sich auf die Tiere und Nachkommen aus. Auch das Gülleausbringen in der Zeit zwischen Februar und April bedeutet für die wandernden Grasfrösche oder Kröten den Tod: Ihre Haut verbrennt,” beschreibt er die Folgen. Die Einleitung von lipophilen Chemikalien haben in der Vergangenheit im Buchenbach zu einem Fischesterben geführt, sicherlich waren auch Amphibien betroffen. Guido Koslowski hat einen engen Kontakt zum Landratsamt Bodenseekreis und erhält von dort Unterstützung. Durch den Vortrag bei den Tettnanger Grünen erhofft er sich auch mehr Unterstützer, die in der Zeit zwischen Februar und April mithelfen.
Schutz von Nahrungskette für viele Arten
Der Tierarzt untersuchte natürlich andere mögliche Todes-Ursachen wie Krankheiten bei Amphibien und kam aber zu dem Schluss nach der Auswertung aller Beobachtungen: Trotz der engagierten Schutzmaßnahmen verringerte sich aufgrund von menschlichen Einflüssen im Bürgermooser Wald die Anzahl der gezählten Amphibien im Zeitraum von 2009 bis 2019 von ca. 4500 auf nur noch 500 wandernde Tiere. Lohnt sich der Aufwand mit Menschen, ZEit und viel Geld? Mit diesen Maßnahmen werden nicht nur die unterschiedlichen Amphibien, sondern auch viele andere Tierarten geschützt, das machte der Vortrag im Oktober deutlich. Laich und Kaulquappen sind Nahrung für Libellen, kleine Schlangen, Vögel – die Nahrungskette in unserer Natur wird unterbrochen, wenn der Bestand der Amphibien drastisch sinkt.

Kontakt :
Dr. Guido Koslowski dr.guido.koslowski@gmx.de

Verwandte Artikel

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld

Mit der Nutzung dieses Formulars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten durch diese Website einverstanden. Weiteres entnehmen Sie bitte der Datenschutzerklärung.