Es war mal eine gute Idee…

Sie sind zwar rund und doch haben sie zwei Seiten: Die Poller in der Tettnanger Karlstraße.

An dieser Stelle will ich nicht auf das Verfahren eingehen, wie es in einer einsamen Hau-Ruck-Entscheidung zur Aufstellung weiterer Poller in der Karlstraße gekommen ist, um das Falschparken an unerlaubter Stelle einzudämmen.

Vielmehr will ich erläutern, warum ich kein Freund dieser Poller bin, auch wenn sie den Zweck, das unerlaubte Parken einzudämmen, durchaus erfüllen.

Mit der Maßnahme „Karlstraße“ hat man sich vor einigen Jahren mit großem Aufwand auf den Weg gemacht, die Aufenthaltsqualität in der Haupteinkaufsstraße unserer Stadt deutlich zu erhöhen und damit die Straße in ihrer Eigenschaft eben gerade als Einkaufsstraße zu stärken. Die Maßnahme stand in einer Reihe weiterer, die dazu dienten, motorisierten Verkehr, der nur durch die Stadt durch will, aus dem Kern- und Einkaufsbereich herauszubekommen. So die Umgestaltung des Bärenplatzes mit Wegfall einer Abbiegespur in die Karlstraße, Bau der innerörtlichen Entlastungsstraße, Reduzierung der Geschwindigkeiten, Öffnung der Martin-Luther-Straße in Gegenrichtung, Reduzierung Parkplätze in der Karlstraße und Schaffung von Ersatzparkplätzen auf dem Gelände der Kistenfabrik.

Es wurde ein großer Wettbewerb unter Hinzuziehung eines Stuttgarter Fachbüros ausgeschrieben, eine hochqualifizierte Fachjury wurde eingesetzt. Der Gemeinderat setzte einen Arbeitskreis zur Vorbereitung und Begleitung der Maßnahme ein.

Zielsetzung war ein verkehrsberuhigter Bereich, d.h. Schrittgeschwindigkeit wie in der Montfortstraße, der gesamte Bereich sollte eine Pflasterung bekommen, so dass deutlich werden sollte, dass es trotz Kfz-Verkehr insgesamt ein Flanierbereich für die Fußgänger*innen sein soll. Der Radverkehr sollte sich auch in Gegenrichtung bewegen können, jedoch ebenfalls in der Geschwindigkeit deutlich reduziert wie in einem verkehrsberuhigten Bereich erlaubt.

Es kam dann jedoch eine Ernüchterung nach der anderen:

  • Die untre Straßenverkehrsbehörde, genehmigte die Einstufung als verkehrsberuhigten Bereich nicht, es blieb nur eine Zone 20 übrig. Fußgänger wurden auf die Gehwege verbannt.
  • Der Bereich der Fahrbahn wurde nicht gepflastert, sondern geteert mit der Begründung, dass durch den Verkehr mit Autos, Bussen, Müll- und Räumfahrzeugen die Pflasterung auf der abschüssigen Straße nicht halten würde. Eine zwar mögliche, aber teurere Verlegetechnik wurde nicht angewandt.
  • Der Radverkehr in Gegenrichtung wurde von der unteren Verkehrsbehörde bisher abgelehnt mit der Folge, dass viele Radler*innen trotzdem bergauf radeln, nun aber unerlaubt auf den Gehwegen und nicht der Fahrbahn.
  • Die dekorativen Bodenleuchten in dem sogenannten „Stadtteppich“ funktionierten nur wenige Wochen, ehe sie defekt ihren Geist aufgaben und man seither mit der Fehlersuche beschäftigt ist.

So blieb von dem hehren Ziel einer verkehrberuhigten Flaniermeile nur eine schnurgerade Straße mit Parkstreifen und links und rechts jetzt deutlich verbreiterten Gehwegen übrig.

Und genau hier setzt meine Kritik an den Pollern an. Anstatt zu versuchen, „zu retten was noch zu retten“ ist, verstärken die Poller den Eindruck der geraden Straße nochmals. Von dem ursprünglichen Ziel der verkehrsberuhigten Flaniermeile entfernen wir uns immer mehr.

Hier hätte es eines runden Tisches mit dem Wettbewerbsgewinner, Fachplanern, Handel, Kunden, Gemeinderat und Verkehrsbehörde bedurft, um nach Lösungen zu suchen, wie das ursprünglich anvisierte Ziel der verkehrsberuhigten Flaniermeile weitgehend gerettet hätte werden können. Bleibt zu hoffen, dass man dieses Ziel erneut ins Auge fasst und sich Gedanken darüber macht, wie man ihm wieder näherkommen kann.

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