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Warm haben sie es am liebsten

Nostocoida limicola oder Chloroflexi – das sind nur zwei der fleißigen Mikroorganismen, die Wärme lieben und in der Kläranlage Eriskirch unser Wasser säubern. “Nicht jede Kläranlage arbeitet mit den gleichen Bakterien,” erklärt Tobias Schmitt, stellvertretender Betriebsleiter der Kläranlage Eriskirch. “Je nachdem, welches Abwasser zu uns kommt, müssen wir andere Stämme pflegen und einsetzen.” Seine Informationen über die biologische Reinigungsstufe waren ein interessanter Teil beim Thema Abwasser. Die zweistündige Führung hatte der Ortsverband der Tettnanger Grünen als Sommerprogramm Mitte August organisiert. 
Ein sehr durchdachtes Zusammenwirken von Mensch, Maschinen und Mikroorganismen ist notwendig, um aus der trüben Suppe wieder glaskares Wasser zu machen. Die Kläranlage reinigt nicht nur die Abwässer aus Tettnang, dazu gehört das Milchwerk Siggenweiler oder Brauereiabwasser. Sondern auch die Gemeinden Meckenbeuren und Eriskirch liefern per Rohrsystem durch Pumpen unterstützt dorthin. Zudem werden Klärschlämme aus Kleinkläranlagen und aus geschlossenen Gruben (Fäkalien) sowie das Filtrat der Kläranlage Apflau angenommen. Seit 1976 ist sie in Betrieb, vorher floss Abwasser ungeklärt auf Felder, in die Schussen und den Bodensee.

Antibabypille und Schmerzmittel

Besichtigt wurde in Eriskirch auch die frisch eingebaute, aber noch nicht in Betrieb genommene, neueste Reinigungsstufe mit Ozon. Sie dient zur Entfernung von Spurenstoffen wie z.B. Medikamenten, Röntgenkontrastmitteln und anderen Stoffen. Der Mensch scheidet nach Einnahme von Hormonen oder Schmerzmitteln bis zu 95 % wieder aus. Um diese Belastungen zu minimieren, wird Ozon, das nicht an die Luft gelangen darf, mit Sicherheitsvorkehrungen benutzt. Nach der Behandlung sind ca. 85% der messbaren Stoffe entfernt. “Der Abwasserverband Unteres Schussental hat sich für Ozon entschieden, weil dies auch entkeimt und so bei den Strandbädern eine bessere Badewasserqualität erreicht werden kann,” so Schmitt. Auch die Behandlung mit Aktivkohle, wie es andere Kläranlagen vornehmen, sei ein probates Mittel. 

Jeans gehören nicht ins Klo

Ganz am Anfang aber steht die mechanische Reinigung. Neben Feuchttüchern, die nicht ins Klo gehören, weil sie sich in Pumpen verwickeln, fördern die Angestellten auch schon mal Windeln, Jeans oder zerlegte Obstkisten aus irgendwelchen Rohren. Einmal im Monat gibt es eine Verstopfung. Die fünf Mitarbeiter in Eriskirch sind wirklich Allrounder, nicht nur mit Elektrik müssen sie sich auskennen, sondern auch Schlosser-Fähigkeiten besitzen und zudem eine Ausbildung zur Fachkraft für Abwasssertechnik absolviert haben. Laboranalysen gehören zu täglichen Arbeit.
Die Stromversorgung wird in Eriskirch wieder durch Bakterien geregelt. Aus den Klärabfallen erzeugen die Mikrorganismen im Faulbehälter bei ca 42 Grad Celsius Gas, rund 80% des eigenen Stromverbrauchs. Geplant ist zudem eine Photovoltaik-Anlage für die Stromversorgung der Ozonanlage.

Sabina Leichs-Knapp

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