von li nach re: Markus Böhlen, Chris Kühn, Sabina Leichs-Knapp, Martin Rösner

Gemeinsam für bezahlbares Wohnen

(slk) Von den 30 teuersten Städten Deutschlands liegen 17 in Baden-Württemberg. Aber nicht nur große, auch kleinere Gemeinden sind von dem Trend „hochpreisiger Miet- oder Eigentumswohnungen“ betroffen. Wie kann sich Tettnang aktiver in die Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt einmischen?
Es gibt zu wenig preiswerten Wohnraum, schuld daran sind diverse Entwicklungen. Unter anderem hat der Kapitalmarkt diesen Bereich als Anlagemöglichkeit entdeckt. Zudem kam es aufgrund früherer politischer Entscheidungen zu einem Verlust von Mietpreis- und Belegungsbindung bei Sozialwohnungen. Verschärfend komme jetzt hinzu, dass ab 2019 der Bund nicht mehr zuständig sei für den sozialen Wohnungsbau. Dann verantworte jedes Bundesland diesen Bereich selber.
Nach einer Analyse der vergangenen und heutigen Situation machte Chris Kühn, Sprecher für Bau- und Wohnungspolitik der Bundestagsfraktion folgende Vorschläge: Staatliche Darlehensbürgschaften, Sanierungs- und Wohnungsbauprojektzuschüsse, verbilligte Grundstücke, verbilligte Kredite und steuerliche Entlastung sind Möglichkeiten,  um andere Bauwillige zu unterstützen. Sicher sei es sinnvoll, Genossenschaften und weitere Bauherrenmodelle aufzufordern, sich um Grundstücke, die natürlich in städtischer Hand sein sollten,  zu bewerben. Dann könne die Kommune das beste Konzept auswählen. Zudem räumte Chris Kühn mit der Vorurteil auf, klimaschützendes Bauen sei schuld an den hohen Baupreisen. Das IFB-Hamburg hat 2016 verglichen, welche gebäudeenergetischen Standards welche Baukosten benötigen. Zwischen dem gesetzlichen Standard (ENEV) einem Effizienzhaus 40 oder 70 und einem Passivhaus gab es keine starken Unterschiede. Bauen ist teuer u.a. aufgrund hoher Grundstückpreise.
Mehr als 40 Interessierte –  auch aus anderen Gemeinden – waren zum Neujahrsempfang am 3. Februar 2017 im Spargelhof Geiger, Tettnang gekommen. Diskutiert wurde auch die „gute, alte“ Eigenheimzulage (abgeschafft von der Grossen Koalition und nun wieder im Gespräch), der Chris Kühn eine klare Absage erteilte: sie verpuffe in anziehenden Baupreisen und sei völlig sinnlos.
Dem Leerstand (aufgrund von mangelnder Vermietung oder Ferienwohnungen) könne man statt mit Verboten, lieber mit einem Wohnraum-Beauftragten der Stadt entgegenwirken. Dieser manage die Renovierung und Vermietung der Immobilie.

3. Februar 2017
Chris Kühn mit Gästen

 

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