Perspektiven der Landwirtschaft

(slk) Als Landwirt, Landtagsabgeordneter und Mitglied im Ausschuss für den ländlichen Raum und Verbraucherschutz kennt Martin Hahn die verschiedenen Sichtweisen aller Beteiligten. Nach einem kurzen Input stieg er mit den rund 25 Gästen bei den Tettnanger Grünen in die lebendige Diskussion ein. Natürlich ist die Preissituation für Bauern in verschiedenen Bereichen (Milch, Fleisch) verheerend. Gleichzeitig gibt es politische Ziele wie den Schutz für Verbaucher, für die Landschaft und Gewässer oder für Tiere. Welche Perspektiven haben Landwirte in diesem Spannungsfeld zwischen politischen Vorgaben und Marktpreisen?
Ein Dilemma sei es, dass die staatlichen Zuwendungen für Bauern pro Jahr zum Beispiel für Öko-Maßnahmen 3000,- € betrügen, aber die Verluste der Betriebe letztlich durch mangelnde Kostendeckung bei 20.000,- € lägen. Auch über das Umbruchverbot wurde heftig diskutiert. Nicht nur wegen des Klimawandels wurde es 2011 eingeführt, um Wiesen auch als CO2-Speicher zu erhalten und nicht in Ackerfläche zu verwandeln. Von manchen Landwirten wurde dies als Enteignung bezeichnet. Andere gesellschaftliche Gruppen haben jedoch auf das Umbruchverbot positiv reagiert, wie zum Beispiel der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg. Auch Agrarminister Peter Hauk (CDU) hält inzwischen die umstrittene landesgesetzliche Regelung weiterhin für erforderlich.
Wir essen unsere Heimat
Wie kann den Bauern ein Auskommen ermöglicht werden? Martin Hahns Lösungsansatz von regionaler Vermarktung überzeugte am 18. November im Hotel Rad nicht alle Teilnehmer. Solche Schlagworte wie „Qualitätsmärkte entwickeln, regionale Wertschöpfung erreichen“ beinhalteten noch nicht die Lösung. Und ist die Forderung nach mehr Biobetrieben (zur Zeit nur 8% der landwirtschaftlichen Fläche, die restlichen 92% werden normal bewirtschaftet) wirklich zielführend? Wichtig sei zudem, so Karl-Georg Geßler vom Milchwerk Siggenweiler, sich zu darüber zu verständigen, was als „regional“gelte: Ist es der Rohstoff, die Produktion oder der Verkauf? Betrifft es nur die Stadt oder den Landkreis, das Bundesland? Darüber gäbe es keine einhellige Meinung.
Keine einfachen Lösungen
Es wurde sehr deutlich an dem Abend mit Martin Hahn, dass keine einfachen Lösungen für das komplizierte Zusammenspiel von Landwirtschaft, Natur- und Umweltschutz und Verbraucherschutz bereit stehen. Zum einen gibt es Vorgaben von Europa, dann entscheiden die Parlamentarier auf Bundesebene, schließlich versucht unsere grün-schwarze Landesregierung Regelungen zu finden und am Ende stelllt sich die Frage: was macht der Kreis? Zum anderen beeinflusst die globale Vernetzung, welche Produkte wohin verkauft werden. Dies habe positive und negative Folgen. „Der wertvollste Teil eines Schweines ist heute die Kniescheibe, sie geht in die pharmazeutische Industrie, das Filet kommt erst an vierter Stelle,“ so Martin Hahn. Eine negative Folge, die wir spüren, seien Migration und Flucht. Wenn in Deutschland nur Hühnerbrüste und Schenkel verzehrt werden, exportiere die Fleischindustrie den billigen Rest nach Westafrika und zerstöre dort die kleinbäuerlichen Strukturen.
Haltungskennzeichnungsplicht für Fleisch
Beim Stichwort Fleisch müsse man auch weitere Antworten finde. Wie reagiert die Politik auf die Tierkonzentrationen in bestimmten Bundesländern? Das Problem ist die Belastung des Trinkwassers mit Nitrat in nördlichen Regionen Deutschlands und die Klage der EU dagegen. Martin Hahn hält es für sinnvoll, Tiere über das ganze Land verteilt zu halten. Im Bereich Verbraucherschutz sei die Kennzeichnungspflicht für Fleisch anvisiert, um Auskunft über die Erzeuger und Qualität des Produktes zu bekommen. Bei Eiern habe sich diese Information inzwischen erfolgreich durchgesetzt.

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