Sozialer Wohnungsbau groß denken

Tettnanger Grüne fordern Vernetzung der Kommunen

(rö) Am letzten Dienstag trafen sich die Tettnanger Grünen zu ihrer monatlichen Ortsverbandssitzung. Auf der Tagesordnung standen neben organisatorischen und informellen Punkten die Bodengutachten zum Loretogebiet und zu Hagenbuchen. Christian Knapp, Mitglied im Vorstand, der als Architekt mit solchen Dingen zu tun hat, informierte darüber, dass in dem untersuchten Gebiet wohl PAK’s (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) gefunden worden seien. PAK’s seien in Mineralölprodukten enthalten und rühren im Erdreich in der Regel von Auffüllungen mit Resten von Straßen oder Industrieprodukten her. Mit PAK versetzte Erde dürfe nicht gegessen werden, eigne sich aber durchaus als Baugrund. So seien die in der Ravensburger S20140305235136Strukturformel_Benzoapyrenüdstadt in den 1930-er Jahren auf PAK-haltiger Gaswerksschlacke errichteten Häuser heute äußerst attraktiv und begehrt. Deshalb sei nicht nachvollziehbar, wieso die Verwaltung der Stadt Tettnang eine ebenerdige Bebauung der untersuchten Gebiete ausschließe. Diese Erkenntnis endete in der Vermutung, dass es der Stadt mit der Errichtung der Gemeinschaftsunterkünfte noch nicht ernst genug sei. Da es aber in Tettnang und in vielen anderen Kommunen dringender Bedarf für Wohnraum bestehe, sei dieses lamentieren nicht hinnehmbar.

Als letzter Punkt in der Sitzung wurde der soziale Wohnungsbau in Tettnang diskutiert. Kajo Aicher referierte unter der Annahme, dass das Bevölkerungswachstum in den nächsten zehn Jahren im Bodenseekreis um 10% auf 220 000 Menschen ansteigen werde. Dazu zählte er neben anerkannten Flüchtlingen auch Binnenmigranten, die aus strukturschwachen Gegenden zuziehen würden. Für diese Menschen brauche es „bezahlbaren“ Wohnraum in ausreichender Anzahl, referierte er. Die Flüchtlingssituation sei nicht ursächlich für das Wohnraumproblem in Tettnang und anderswo verantwortlich, sie verschärfe vielmehr ein altbekanntes und von der Politik weitgehend ignoriertes Problem, dem es entgegen zu wirken gelte. Hr. Aicher schlug analog zum Energieverbund Regionalwerk Bodensee einen interkommunalen Bauverbund vor, um durch Skaleneffekte von den hohen Baukosten herrunter zu kommen. Nicht 4.000 €/qm seien das Ziel, sondern 2.000 €/qm und weniger, und das ohne Verlust von Wohnqualität und zu Mietpreisen unter 5€/qm. Es gelte, ein Netzwerk der Kommunen zu installieren, in dem die Bürgermeister an einem Strang ziehen würden um der Wohnraumknappheit entgegen zu wirken.

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1 Kommentar

  1. Martin Rösner

    GWG startet großes Bauprogramm für Flüchtlings- und Sozialquartiere

    Insgesamt 36 Millionen Euro will die GWG in den kommenden zwei Jahren für Sozialwohnungen ausgeben, zwei Drittel davon für Flüchtlingsquartiere. Zugleich stellt die kommunale Wohnungsgesellschaft übergangsweise dutzende Wohnungen für die Unterbringung von Asylbewerbern zur Verfügung.

    http://www.tagblatt.de/Home/nachrichten/tuebingen_artikel,-GWG-startet-grosses-Bauprogramm-fuer-Fluechtlings-und-Sozialquartiere-_arid,325077.html

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