Grüne debattieren über Streit-Kultur

(mr)141104_Knapp Wie lassen sich Konflikte lösen?
Die wissenschaftlichen Ergebnisse der Konfliktforschung veranschaulichte Christian Knapp in seinem Referat bei der November-Sitzung des Ortsverbandes Bündnis 90/Die Grünen in Tettnang. Wie diagnostiziert man Konflikte, wie eskalieren sie und welche Lösungswege gibt es? Darüber  wurde intensiv debattiert. In Zukunft soll es öfters inhaltliche Impulse geben, um die Mitglieder auf aktuelle Diskussionen einzustimmen. Nicht nur die gute Lösung für alle Beteiligten in den innerstädtischen Verkehrsfragen steht an. Auch die Aufnahme und angemessene Unterbringung von flüchtenden Menschen aus Syrien und weiteren Ländern beschäftigt den Ortsverband.

Gewinnen oder Verlieren?
Ein Streit zwischen Personen, Gruppen, Organisationen oder sogar Staaten folgt gewissen „Regeln“. Der renommierte österreichische Theoretiker Friedrich Glasl hat 9 abwärtsführende Stufen identifiziert. Ab der dritten oder vierten Stufe können die Beteiligten ihre Situation meist nicht mehr alleine verlassen. In diesem Fall ist  ein externer Moderato hilfreich. Auf dem Weg in der Abwärtsspirale spielen Gerüchte und schließlich auch der Gesichtsverlust ein Rolle. Ist schon die 7. oder tiefere Ebene erreicht, wird auch eigener Schaden in Kauf genommen – Hauptsache der Streitgegner ist beschädigt. Jeder von uns wird täglich mit Geschehnissen durch die Medien konfrontiert, bei denen Konflikte eskalieren und letztlich alle verlieren.

Den Fokus verändern
Wer nach Lösungen sucht, sollte – so Christian Knapp –  fragen: welche Parteien sind beteiligt, um welche Themen geht es, welche Reichweite und Eskalationsstufe hat der Streit schon erreicht? Bei der Lösung müsse man sich auf die Interessen hinter Positionen konzentrieren. Am Beispiel Innenstadt sähe dies so aus: Autos raus oder Autos rein ? Dies wären unvereinbare Positionen. Für die dahinterstehenden Interessen könnte man jedoch besser Verständnis entwickeln. „Ich möchte mit meinen kleinen Kindern ohne Angst durch die Straße flanieren“ oder „Ich will Waren verkaufen und Geld verdienen“. Das Fazit des Abends: Wissen um Konflikte ist notwendig. Auch Behörden sollten in dem Thema geschult werden. Werden Konflikte im Frühstadium erkannt, lasssen sie sich vergleichsweise einfacher, ohne Schaden oder Gewalt lösen.  Alte Prinzipien und Gewohnheiten können hinterfragt und eventuell verändert werden. Alle Beteiligten können dabei nur gewinnen.

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